Mit Hilfe der modernen Innovationsinstrumente des Design Thinking können auch die komplexen Fragestellungen zu der zunehmenden Sozialen (Un)Gerechtigkeit in Deutschland beantwortet werden. Das ist jedenfalls die Erkenntnis einer Studie, die von 3iFuture.net initiiert wurde und deren Ergebnisse im Rahmen eines Buchprojektes veröffentlicht werden.

Viele aktuelle Befragungen zeigen, dass sich die Bürger dieses Landes von der politischen Führung eher verlassen und nicht ernst genommen fühlen. Sie trauen den derzeitigen Parteien nicht zu, die  wichtigen Themen ernsthaft anzugehen. Dazu gehören z.B. die Angst vor Altersarmut, die notwendige Modernisierung des Bildungssystems, die Schaffung der Infrastruktur und der entsprechenden Rahmenbedingungen für die digitale Welt, die Sicherstellung von bezahlbarem Wohnraum und der Ausbau von zukunfts-fähigen Arbeitsplätzen, und last but not least, die gerechtere Verteilung von Einkommen und Vermögen sowie die faire Belastung jedes Einzelnen.

Vor diesem Hintergrund haben sich die Verfasser der Studie sehr intensiv mit konkreten Fragen rund um unser Steuer- und Sozialsystem befasst und lassen für ihre Studie die Bürger, oder besser formuliert, den Kunden des Staates zu Wort kommen.

Sehr pointierte Charaktere aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten kommen hierbei zusammen und arbeiten in verschiedenen Gruppenkonstellationen. Sie bearbeiten die verschiedensten Themen und Fragestellungen aus der Gerechtigkeitsbrille jedes Einzelnen, entwickeln dann einen abgestimmten Handlungsrahmen für den Staat und finden konkrete Lösungsansätze. Zielsetzung bei der Lösungsfindung ist es, möglichst immer eine Zustimmungs- und Akzeptanzquote von mindestens 70% der Gruppenmitglieder zu erreichen. Davon können unsere politischen Parteien nur träumen.

Diskutiert werden u.a. folgende Gerechtigkeitsfragen:

  • Warum reagiert der Staat immer mit einer Anpassung nach oben, wenn von Steuergerechtigkeit gesprochen wird und nicht mit der Frage, wie steigern wir die Bereitschaft aller, in die Gemeinschaft zu investieren und einen fairen Beitrag zu leisten?
  • Warum ist es für internationale Großkonzerne, Internetunternehmen und Multimillionäre nur so einfach, sich einer Besteuerung in D zu entziehen? Aber dennoch alle Vorteile der deutschen Gesellschaft und Infrastruktur wie selbstverständlich nutzen?
  • Klein- und mittelgroße Betriebe zahlen die Hauptlast der Gewerbesteuer und sind aber kaum in der Lage, sich gegen die Preiskämpfe der digitalen Handelsplattformen zur Wehr zu setzen. Und das, obwohl nach wie vor von diesen Unternehmen die meisten Arbeitsplätze geschaffen werden. Wie kann man das regulieren?
  • Warum werden Beiträge zu den Sozialsystemen nur von einem Teil der Bürger erbracht? In der Regel nur von Arbeitnehmern bis zur Höhe der Beitrags- Aber Leistungen im Alter ( Grundsicherung) und  für Hartz IV können von allen beantragt werden.
  • Warum werden AN / Selbständige, die über mehrere Jahre in das Sozialsystem eingezahlt haben, ab dem 2. Jahr einer unverschuldeten Arbeitslosigkeit genau so behandelt, wie zugereiste EU-Bürger?
  • Weshalb erfahren Beamte eine wesentlich bessere Versorgung, als diejenigen, die die Steuerlast aufbringen, um sich die Beamten überhaupt zu leisten?
  • Wie bereiten wir die Gesellschaft auf die Veränderungen, die die Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitswelt mit sich bringen, vor? Welche Unterstützungsprogramme könnten sinnvoll sein? Ist das bedingungslose Grundeinkommen wirklich die richtige Antwort darauf?

An der Diskussion beteiligen sich z.B. Karlheinz und Elvira – pensionierte Beamte, die mehr als 100 Tage im Jahr auf Reisen sind, Gisbert – Langzeitarbeitsloser und Hartz IV Empfänger, der die Fussballjugend seines Heimatvereins trainiert. Wilhelm – Geschäftsmann und Steuerausländer ist ebenso Teil der Gruppe, wie Eberhard – selbständiger Bäckermeister mit insgesamt 20 Angestellten sowie Michael und Marianne – Teammanager in Dienstleistungsunternehmen und Hausfrau. Jan – ein 30jähriger Freelancer und Entrepreneur, Helga – alleinerziehende Mutter und Krankenschwester mit 36 Stunden Diensten, Ahmed– selbständiger Immobilienmakler, türkischer Abstammung , sowie Miriam – Unternehmerin, geschieden, alleinerziehend sind ebenso dabei. Aber auch Alexander 25Jahre –Lagerarbeiter, Vera 23 Jahre –Studentin und Manuela 29 Jahre –Fachverkäuferin kommen zu Wort und bringen ihre Sichten mit ein.

Das Ergebnis ist verblüffend. Denn am Ende des mehrstufigen iterativen Entwicklungsprozesses wird eine Lösung ( „ein Produkt“ ) entwickelt, die auf eine sehr hohe Kundenzustimmung stößt. h. > 70% aller Befragten würden sich mit der vorgeschlagenen neuen Methodik wohl fühlen. Und dass, obwohl die Gegensätze bei den Protagonisten eigentlich nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Es ergibt sich ein recht homogenes Bild hinsichtlich der Fragestellung, was ist gerecht für die deutsche Gesellschaft und wie sollte das Steuer- und Sozialversicherungssystem verändert werden.

Die vorgeschlagene Lösung wird dazu führen, dass der Staat zusätzliche Mittel einnimmt, die für den Ausbau der Digitalisierung, die Modernisierung des Bildungssystems und den Aufbau eines Arbeitsplatzzukunftsfonds genutzt werden können. Wichtig ist den Teilnehmern der Studie auch, daß zukünftig eine Art Bürger-Aufsichtsrat eingerichtet wird, der die Entscheidungen der Executive nochmals hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit und nachhaltigen Gerechtigkeit beurteilt, bevor ein Finanzhaushalt verabschiedet werden kann.

Als Leser der Studie hat man von der ersten Zeile an das Gefühl, ein Teil des Abstimmungs- und Diskussionsprozesses zu sein und – wie die einzelnen Protagonisten selbst – mitwirkt an der Lösung verschiedener Problemstellungen. Überraschend ist in jedem Fall der hohe Grad an Zustimmung zu den einzelnen, neuentwickelten Verfahren ( „Produkten“).

Dieser Umstand kann es möglich machen, die Themen seitens der Politik wirklich anzugehen. Denn, wie jeder gute Kaufmann weiß, nachhaltiges Unternehmenswachstum und der gewünschte Ausbau von Arbeitsplätzen gelingt am Ehesten, wenn man die Bedürfnisse der Mehrheit seiner Kunden befriedigt. In diesem Sinne und mit den Worten der Verfasser der Studienergebnisse – Let`s change and go for it!

Die detaillierten Ergebnisse der Studie werden in einem Buch zusammengefasst und stehen in Kürze auch zum Download auf der Homepage 3ifuture.net zur Verfügung. Sollten Sie bereits jetzt Anmerkungen oder Wünsche haben, bitte kurze mail an studie@3ifuture.net.